Bestandsaufnahme zum Forschungsauftrag:

Modellhafte Untersuchung zu Umweltschäden an national wertvollen historischen Quecksilberspiegeln
am Beispiel des Grünen Gewölbes/Dresden und des Merseburger Spiegelkabinetts/Berlin.

Auftraggeber: Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Zeitraum: 1.10.2000-30.04.2002


Vom jetzigen Stand der Konservierung sind wir äußerst beeindruckt.
Der nicht sehr große Raum des Kabinettes erhält durch die geschickt angebrachten Spiegelflächen eine ungeheure Tiefe und Vielfäjltigkeit, so daß sich die Wände durch das Einbringen der Spiegel völlig auflösen. Die Fotos dokumentieren diese Effekte noch einmal.
Leider ist die komplizierte Spiegeldecke nur noch fragmentarisch erhalten und in ihrem Spiegelbestand nur noch in wenigen Bruchstücken existent.
In dieser aufwendigen Spiegel-Deckenkonstruktion fand das Kabinett seinem einzigartigen Höhepunkt. Die Verspiegelung einer Decke ist außerordentlich selten und in dieser Kleinteiligkeit sicher von gewisser Einmaligkeit. Wir glauben, daß wir im Moment die beeindruckende Wirkung dieser Decke kaum erahnen können.
So wird das Verwirrspiel, das an den Wänden beginnt, auch an der Decke fortgeführt. Durch die Reflektion des Bodens in der Decke muß der Betrachter das Gefühl haben im Zentrum des Raumes zu schweben.
Zahlreiche Quecksilberspiegel weisen starke Schäden auf, wie sie im Schadenskatalog der Spiegelmanufaktur Paderborn dokumentiert sind. Besonderheiten des Merseburger Spiegelbestandes sind:

Bohrungen
Die Spiegel wurden zu ihrer Installation und zur Installation des aufgebrachten Schnitzwerkes an vielen Stellen durchbohrt. Die Bohrungen wurden dabei von beiden Seiten ausgeführt, so daß hier kaum Ausbrüche entstanden sind. Die Bohrlöcher sind beim Bohren abgerundet worden und weisen einen Durchmesser von 6 mm auf, ihre Größe variert etwas.
Die Spiegelformen sind trotz der Überblendung durch Stuck in zahlreichen Schwüngen geschnitten, die oft ausgeschliffen werden mußten, um eine solche Glasform zu erhalten.
Die Kanten wurden dabei in verschiedenster Art und Weise bearbeitet, zum Teil durch Schnitte, Schliffe aber auch durch Kröseln. dies ist bis heute in den historischen Gläsern dokumentiert. Sowohl die Bohrungen, als auch die Formen der Einschnürrungen sind materialbedingte Sollbruchstellen die Sprünge verursachen. Dies dokumentiert der Spiegelbestand, denn viele mußten ausgetauscht werden.

Rückseitenschutz
Selten, aber nicht unbekannt ist uns die Sicherung der Rückseite, hier ist sie durch Papier, daß an den Kanten angeleimt worden ist, ausgeführt worden. So ist ein relativ  optimaler Rückseitenschutz der Spiegel erzielt worden.


Funktion der Spiegel
Die Spiegel erfüllen im Kabinett ganz unterschiedliche Funktionen und sind in Kategorien eingeteilt worden. So gibt es Spiegel die in den Wandvertäfelungen verschwinden und durch Stuckwerke überdeckt sind. Diese wirken am Ende wie Durchbrüche in den Wänden und sind für den Betrachter gar nicht als Spiegel wahrnehmbar.
Weiterhin gibt es eine zweite Kategorie, die gestalterisch eine andere Rolle spielt. Dazu zählen die beiden Ovalspiegel, die über den Ausstellungskern installiert wurden, mit ihren Umgebungsstücken. Hier wurde ganz bewußt ein breit angesetzter Facetteschliff an die Scheiben angebracht, der an seinen Einschnürungen nicht sehr gut ausgeschliffen worden ist. Hier wird der Spiegel durch seinen winkeligen Schliff im Glas noch einmal betont.
Zu der gleichen Kategorie sind auch die in dem umlaufenden Abschlußsims zur Decke vorhandenen rechteckigen Spiegel zu zählen. Auch hier wurde ein umlaufender Facetteschliff angebracht.
Eine für sich eigene Kategorie bilden die schräg gesetzten Spiegel an der Decke. Hier werden, da technisch bedingt nicht anders möglich, Spiegel auf Stoß gesetzt und die Erbauer des Kabinettes bekennen sich zur offenen Schnittkante. Diese Schnittkante wurde, dies dokumentiert ein Originalstück, durch Winkelschliffe noch einmal veredelt, um hier eine saubere Kante zu erzielen, aber auch um eine bestimmte Lichtbrechung zu erlangen.